Gähnen macht schlau

Oft wird es als respektlos abgestempelt oder kaum beachtet - es gehört einfach dazu - das Gähnen. Aber was ist Gähnen eigentlich wirklich und warum ist es ansteckend? Es gibt viele Studien und Theorien über das Gähnen. Manche Wissenschaftler vermuten, dass das Gähnen eine Kommunikationsmöglichkeit der Steinzeit war, die sich bis heute gehalten hat.

Laut dieser Überlegung diente das Gähnen dem Zweck, die Schlafgewohnheiten der Gruppe aufeinander abzustimmen, sodass alle zur gleichen Zeit schlafen gingen und keine Teile der Gruppe allein weiterzogen. Das konnte unter Umständen das Überleben der Gruppe sichern. 

Eine andere Theorie besagt, dass wir gähnen, wenn unsere Hirntemperatur steigt. Durch das Gähnen wird kühle Luft ins Gehirn gepumpt, was unsere Denkleistung verbessert. Demnach fördert Gähnen die Aufmerksamkeit.

Der Psychologe A. Gallup vermutet, dass es zwischen der Länge des Gähnens und dem Hirnvolumen einen direkten Zusammenhang gibt. Demnach sind Menschen, die lange gähnen, also intelligenter als Menschen, deren Gähnen kurz ist. 

Doch warum ist Gähnen eigentlich ansteckend? Forscher in Pisa fanden heraus, dass das Anstecken des Gähnens von Gefühlen abhängig ist und dass man sich beim Gähnen am ehesten von Personen anstecken lässt, zu denen man eine emotionale Bindung aufgebaut hat. Diese löst einen unbewussten "Nachahmungsreflex“ aus. Man kann vom Gähnen nur angesteckt werden, wenn man ausgeprägte empathische Fähigkeiten hat. 

Bei kleinen Kindern sind diese erst in geringem Maße ausgeprägt - Deshalb lassen sie sich auch seltener vom Gähnen anstecken. Es wird auch vermutet, dass diese reflektorische Wirkung im Alter nachlässt.

Übrigens gähnen Föten bereits im Mutterleib - etwa ab dem dritten Schwangerschaftsmonat. Das Gähnen ist also ein ausgesprochen interessantes Phänomen, über dessen Ursprünge man nur mutmaßen kann.

von Elisabeth Müller, 

Achte Klasse, 

Ostendorf-Gymnasium,

Lippstadt