„Wir hoffen auf ein Umdenken“

Oink oink: Den Tieren soll es gut gehen, den Landwirten aber nicht schlecht.

Landwirt und Schülerreporter: Christian Stork stand Sebastian Rede und Antwort.

Lippstadt – Einerseits wird Fleisch zu billigen Preisen angeboten, andererseits steigen die Anforderungen an die Tierhaltung im Sinne des Tierwohls. Für viele Bauern ist dieser Spagat eine Herausforderung. Schülerreporter Sebastian Stork hat das Thema aufgegriffen und den Landwirt Christian Stork befragt, welche Auswege er aus dieser Krise sieht, damit die Schweinezucht eine Zukunft hat

Herr Stork, wie sind die aktuellen Schweinepreise?

Momentan liegt der Marktpreis für ein Kilogramm bei 1,28 Euro. Das bedeutet, dass wir Landwirte plus/minus 20 Euro pro Schwein dazulegen müssen und nicht mal ansatzweise kostendeckend arbeiten können.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft für die Landwirtschaft aus?

Düster ... Solange die Preise von der Industrie, dem Handel und der Politik abhängig sind, werden wir leer ausgehen. Die Energiepreise steigen auch stetig und nächstes Jahr spitzt sich die Lage weiter zu, weil die Getreidepreise sehr steigen werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass das meiste Getreide aus Kanada kommt und dort durch Hitze und zu nasses Erntewetter 90 Prozent der Ernte verloren gegangen ist. Dadurch werden die Futterpreise enorm steigen, aber die Fleischpreise sinken. Auch für die Verbraucher wird alles teurer durch schlechte Enten und den Klimawandel. Daran sind übrigens nicht nur wir Landwirte schuld – auch wenn wir von der Politik als Buhmänner dargestellt werden.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

Ein fester Preis pro Kilogramm wäre eine Lösung. Damit könnten wir kalkulieren, um auch die Anforderungen in Sachen Tierwohl und dementsprechende Umbaumaßnahmen erfüllen zu können. Und gleiche Tierwohl-Regeln für alle anderen Länder, die ihr Fleisch importieren wollen und das nicht nur für Schweinefleisch, sondern für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Politik müsste sich mehr um die eigene Landwirtschaft kümmern, anstatt alles billig aus dem Ausland zu holen oder dorthin auszulagern.

Sind Sie der Meinung „früher war alles besser“, weil man früher in der Landwirtschaft noch gutes Geld verdient hat?

Nein, nicht unbedingt. Früher haben wir vielleicht besser verdient, aber heutzutage geht es den Tiere, egal in welcher Sparte der Landwirtschaft, deutlich besser. Die Regeln sind viel strenger, und es wird auch viel kontrolliert durch das Veterinäramt. Heute ist die Schere zwischen Verdienen und Tierwohl nicht mehr so groß wie früher. Da stand Verdienen im Vordergrund und das Tierwohl war vielen egal Hauptsache billig und die Familie wurde satt. Wir hoffen auf ein Umdenken für den deutschen Landwirt gegen Billigwaren aus dem Ausland.

Das Interview führte Sebastian Stork, Kl. 10a, Schule Im Grünen Winkel.